Ich will hetero sein
Vielleicht bist du hier, weil du schon mal gedacht hast: „Ich will hetero sein.“ Oder du hast gedacht: „Ich will nicht schwul sein.“ Oder: „Ich will nicht lesbisch sein.“ Oder: „Ich will nicht bi sein.“ Auch wenn du nichts gegen schwule, lesbische, bisexuelle oder andere queere Menschen hast, möchtest du selbst nicht so sein. Du willst lieber so sein wie die meisten anderen Menschen, nämlich hetero. Diese Gedanken haben viele queere Menschen am Anfang, wenn sie merken, dass sie anders als die Mehrheit sind. Und das kann auch sehr belastend sein. Deshalb ist es gut darüber zu reden. Wir von der Onlineberatung sind für dich da.
In diesem Artikel erfährst du Antworten auf folgende Fragen:
Warum denken so viele am Anfang „Ich will hetero sein“?
Wenn Menschen entdecken, dass sie nicht so sind wie die meisten anderen, zum Beispiel, wenn sie merken, dass sie in eine Person des gleichen Geschlechts verliebt sind, kann das zu schwierigen Gefühlen führen. Viele queere Menschen haben dann den Gedanken: „Ich will nicht so sein.“ Das ist verständlich, denn leider gibt es immer noch viele Vorurteile und negative Meinungen über queere Menschen.
Es dauert oft es eine Weile, bis man akzeptieren kann, dass das ein Teil von einem selbst ist. Es ist nicht alles, was dich ausmacht, aber es gehört zu dir. Und das Gute ist: Viele queere Menschen sind irgendwann total okay damit oder sind sogar froh, so zu sein, wie sie sind.
Der Grund dafür, dass viele queere Menschen am Anfang denken „Ich will hetero sein“ oder „Ich will nicht schwul/ lesbisch/ bi sein“, liegt daran, dass wir oft negative Dinge über queere Menschen gehört haben. Diese negativen Einstellungen können aus der Gesellschaft, den Medien, der Familie oder anderen Einflüssen kommen. Wenn du oft hörst, dass es schlecht ist, schwul, lesbisch oder bi zu sein, fängst du irgendwann an, das zu glauben. Das führt dazu, dass du einen inneren Konflikt hast: Einerseits hast du diese Gefühle, aber andererseits denkst du, dass sie falsch sind. Das macht es schwer, sich selbst zu akzeptieren und glücklich zu sein. Vielleicht schämst du dich oder fühlst dich schuldig. Diese negativen Gefühle kommen aber nicht wirklich von dir, sondern von dem, was du von außen gehört hast.
Kann ich irgendwie hetero werden, z.B. durch Hypnose?
Unsere sexuelle Orientierung ist ein Teil von uns, den man nicht von außen verändern kann, auch nicht durch Hypnose. Es kann sein, dass sich deine Orientierung im Laufe deines Lebens etwas verändert, aber das passiert von selbst und nicht, weil du es willst oder weil andere es beeinflussen wollen.
Es macht mich total fertig, dass ich vielleicht nicht hetero bin.
Das ist verständlich. Menschen, die anders sind als die meisten, haben oft Stress. Es gibt manchmal echte Beleidigungen und Diskriminierung, aber auch schon die Angst davor, dass das passieren könnte, führt zu Stress. Wenn du glaubst, dass es schlecht ist, schwul, lesbisch oder bi zu sein, fühlst du dich vielleicht schuldig oder schämst dich. Das führt zu einem inneren Kampf, der dich sehr belasten kann und unter Umständen zu anderen Problemen wie Depressionen, Angststörungen, Selbstwertproblemen, Drogen- oder Alkoholproblemen und zum Teil auch zu Suizidalität führen kann. Spätestens wenn du solche Anzeichen bei dir siehst, solltest du dir Hilfe suchen. Eine erste Anlaufstelle können wir von der Onlineberatung sein.
Wie komme ich da raus?
Wenn du das hier liest, hast du schon einen ersten kleinen Schritt gemacht. Du weißt jetzt, dass du nicht allein bist und dass viele andere queere Menschen schonmal ähnliche Gedanken hatten. Der nächste Schritt ist, zu erkennen, dass diese negativen Gedanken, die du über dich selbst hast, eigentlich von der Gesellschaft kommen. Du solltest anfangen, diese Gedanken zu hinterfragen.
Das innere Coming-out, also das Akzeptieren, dass du nicht hetero bist, ist ein wichtiger Schritt. Dieser Prozess dauert oft eine Weile. Man muss erst mal anfangen, die negativen Gedanken über Homosexualität, die man unbewusst übernommen hat, zu hinterfragen und nach und nach loszulassen. Wenn du das schaffst, dann kannst du am Ende zu dir selbst stehen und denkst: „So wie ich bin, ist es gut.“ Wenn du dann auch noch dein äußeres Coming-out machst, also anderen Menschen sagst, wer du bist, kann das sehr befreiend sein. Denn das Verstecken kann sehr belastend sein.
Braucht man eine Therapie, um diese negativen Gedanken loszuwerden?
Normalerweise braucht man dafür keine Therapie. Es passiert meistens von selbst, wenn du deine Einstellung änderst. Es hilft, mit anderen queeren Menschen zu sprechen und sich auszutauschen. So merkst du, dass du nicht allein bist und kannst von den Erfahrungen der anderen lernen.
Ich kann aber mit niemandem darüber reden.
Wenn du in einer Umgebung aufwächst, wo du niemanden kennst, der queer ist, oder wo viele Menschen schlecht über queere Menschen reden, ist es natürlich schwer, jemanden zu finden, mit dem du reden kannst. Zum Glück gibt es heute viele Möglichkeiten, andere queere Menschen kennenzulernen, sowohl online als auch in der realen Welt. Hier gibt es eine Seite mit weiteren online Kontakt- und Anlaufstellen. In vielen Städten gibt es queere Jugendgruppen, wo du andere schwule, lesbische, bisexuelle oder queere Jugendliche treffen kannst. Hier findest du eine Auflistung vieler verschiedener Gruppen in ganz Baden-Württemberg und hier eine Auflistung von Jugendgruppen.
Du kannst uns auch in der Onlineberatung schreiben. Das ist ein sicherer Ort und wir Berater*innen sind auch alle queer und sind durch dieselben Phasen gegangen wie du jetzt. Wir sind für dich da!
